Bad Tabarz kämpft sich zurück – und bleibt wachsam
Nach über 25 Jahren finanzieller Schieflage verlässt Bad Tabarz die Haushaltssicherung. Doch der Blick nach vorn bleibt von Vorsicht geprägt.
Seit mehr als einem Vierteljahrhundert steht die Gemeinde am Fuße des Inselsberges unter finanziellem Druck. Die Ursachen reichen zurück in die 1990er Jahre, als sich eine enorme Schuldenlast auftürmte. Sie führte dazu, dass der 4.000-Einwohner-Ort bis Anfang der 2020er Jahre zu den Kommunen mit der höchsten Pro-Kopf-Verschuldung im Freistaat Thüringen zählte.
Zusätzlich trägt die Gemeinde seit 1997 eine überregional bedeutende Einrichtung: das TABBS. Das Sport- und Gesundheitsbad verfügt über rund 1.400 Quadratmeter Wasserfläche und gehört damit zu den größten Thermen Thüringens. Eine Größe, an der – wie die jüngste landesweite Debatte um die Finanzierung von Bädern zeigte – selbst größere Städte schwer zu tragen haben.
Jahre der Haushaltssicherung
Diese Gemengelage führte Bad Tabarz vor Jahren in die Haushaltssicherung. Als Bürgermeister David Ortmann Ende 2014 sein Amt antrat und Kämmerer Steve Gerlach Mitte 2015 folgte, war die Situation angespannt. Seit mehreren Jahren hatte die Gemeinde weder einen ausgeglichenen noch einen genehmigungsfähigen Haushalt vorlegen können.
2015 präsentierte die neue Verwaltung dem Gemeinderat ein umfassendes Haushaltssicherungskonzept. Sämtliche Einnahmen und Ausgaben wurden überprüft, die Gemeinde verpflichtete sich für zehn Jahre zu strikten Spar- und Konsolidierungsmaßnahmen.
Die Ausgangslage war ernüchternd: Investitionen waren über Jahre ausgeblieben, das TABBS war 2013 in die Insolvenz gerutscht, Bibliothek sowie Kur- und Tourismuswesen standen auf dem Prüfstand. Neben einem Schuldenstand von 11,2 Millionen Euro offenbarte die Bestandsaufnahme einen aufgestauten Sanierungsbedarf von rund 9 Millionen Euro.
„Es war eine wirklich spannende Zeit“, erinnert sich Ortmann. „Vor allem, weil es zusätzlich eine negative mittelfristige Finanzplanung gab. Eigentlich wussten wir damals nicht, ob überhaupt eine positive Entwicklung möglich war.“
Eine strenge Kur für den Kurort
Die Gemeinde verordnete sich eine konsequente Kur: Hebesätze, Gebühren und Beiträge wurden angepasst, Liegenschaften verkauft und die Verwaltungsstruktur grundlegend umgebaut.
Heute, zehn Jahre später, verlässt Bad Tabarz die Haushaltssicherung. Kämmerer Gerlach zieht eine positive Bilanz: „Wir konnten unsere Schuldenlast um 4,1 Millionen Euro reduzieren – ein Rückgang um über 36 Prozent. Gleichzeitig wurden zwischen 2016 und 2025 mehr als 26 Millionen Euro investiert.“ Zahlen, so Gerlach, die selbst für Kommunen außerhalb der Haushaltssicherung bemerkenswert seien.
Investitionen in Bestand und Zukunft
Wofür das Geld verwendet wurde, weiß Bauamtsleiterin Stephanie Fröhlich genau. Die 37-Jährige leitet das Bauamt seit 2017. „Wir haben versucht, unsere alte Gebäudesubstanz zu erneuern. Eigentlich ist nichts Zusätzliches entstanden – Altes wurde saniert oder durch Neues ersetzt“, sagt sie.
Als Beispiel zählt sie auf: Kindergarten, Kinderkrippe, Bibliothek und Sportlerheim wurden grundlegend erneuert, um den Ort auch für junge Familien attraktiv zu halten. Hinzu kommen die Sanierung mehrerer Kilometer Gehwege im Mönchhof sowie in der Langenhainer-, Reinhardsbrunner- und Lauchagrundstraße. Die Max-Alvary-Straße und die Walther-Rathenau-Straße wurden komplett saniert; dort sollen die Gehwege in diesem Jahr fertiggestellt werden.
Besonders stolz ist Fröhlich auf den digitalen Fortschritt: Galt Bad Tabarz 2019 noch als unterversorgt, verfügt die Gemeinde heute über eine 100-Prozentige-Gigabit-Anbindung mit bis zu 1.000 Mbit/s im Upload und Download. Damit zählt der Ort mittlerweile zu den bestausgebauten Gemeinden Deutschlands.
Große Aufgaben bleiben
Doch die nächsten Projekte stehen bereits an: Jugendclub, Grünanlagen und erneut das TABBS. Rund drei Millionen Euro sind in den vergangenen Jahren bereits in die energetische Sanierung des Bades geflossen, weitere sechs Millionen Euro sollen folgen.
Trotz des Erfolgs bleibt der Ausblick verhalten. Einnahmen stagnieren, Kosten steigen. Die Altlasten der 1990er Jahre und die geringe Einwohnerzahl lassen Bad Tabarz wenig finanziellen Spielraum. „Bei aller Freude über die zurückliegende Entwicklung wird sich die Gemeinde den nächsten Sparkurs verordnen müssen“, betont Ortmann. „Daran ändert auch das Verlassen der Haushaltssicherung nichts.“
Finanz-Chef Steve Gerlach beobachtet zudem, dass immer mehr Kommunen über ihre Finanzlage klagen. „Früher hatten wir das Gefühl, wir sind die Einzigen, die jammern. Mittlerweile sind wir nicht mehr allein.“ Ein Trost sei das nicht, aber ein deutliches Signal.
Die Entwicklung der Schlüsselzuweisungen sowie der Kreis- und Schulumlage zeige die wachsende Lücke zwischen Einnahmen und Ausgaben. In diesem Jahr erhält Bad Tabarz 320.000 Euro weniger an Schlüsselzuweisungen, als es an den Landkreis abführen muss. 2022 lag dieses Delta noch bei 57.000 Euro. Gleichzeitig stiegen allein die Personalkosten im Kindergarten aufgrund neuer Betreuungsschlüssel und Tarifsteigerungen um rund 250.000 Euro. Der Kämmerer könnte die Negativ-Liste beliebig fortsetzen. In Hinblick darauf sei es gut, dass es der Gemeinde in den vergangenen Jahren trotz doppelter Kraftanstrengung gelungen ist, einen wesentlichen Teil der Wohnqualität schaffenden Infrastruktur zu erneuern.





