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24. Juni 2026 um 14:28 Uhr

Bad Tabarz legt Kurs auf kinderfreundlichkeit

Mehrere Kinder halten ein Schild hoch auf dem "Jugendparlament" steht

Bad Tabarz will die Interessen von Kindern und Jugendlichen stärker in der Kommunalpolitik verankern. Jugendparlament und Gemeinderat haben dazu einen umfassenden Maßnahmenplan beschlossen. Er bildet die Grundlage für die Zertifizierung als „Kinderfreundliche Kommune“ und umfasst 21 Vorhaben bis 2029. 

Bereits am vergangenen Montagabend hatte das Jugendparlament das umfangreiche Papier einstimmig beschlossen. Gestern zog der Gemeinderat nach. 

Bad Tabarz hatte bereits in den vergangenen Jahren mehrere Projekte für Kinder und Jugendliche umgesetzt – und überregional Aufmerksamkeit erzeugt. Seit 2020 erleichtert der Freizeitpass die Teilhabe: Kinder zahlen im Sport- und Gesundheitsbad TABBS nur einen Euro Eintritt, auch Fahrten mit der Thüringer Waldbahn kosten einen Euro. Die Nutzung der Bibliothek ist für Kinder kostenlos. Zudem versorgt die kommunale Kuranstalt Kindergarten und Schule seit 2020 selbst mit gesundem Mittagessen. 2024 wurde das Angebot als „Deutschlands bestes Schulessen“ ausgezeichnet.

Darüber hinaus entstanden zwei neue Spielplätze und der Pumptrack im Lauchagrund. Seit 2021 gibt es eine Jugendvertretung, deren Wahl parallel zu Landtags- oder Bundestagswahlen stattfindet. Für ihr Engagement erhielt die Gemeinde 2022 den Jugendförderpreis des Landkreises Gotha.

Laut Hauptamtsleiterin Franziska Robes „baut der nun beschlossene Aktionsplan auf dieser Basis auf.“ Im Mittelpunkt stehen die Bereiche Verkehr und Mobilität, kinderfreundliches Verwaltungshandeln, Interessenvertretung sowie Informationen zu Kinderrechten.

Die 38-Jährige koordiniert den nun anstehenden Prozess gemeinsam mit ihrer Kollegin Stefanie Gause.

Geplant sind unter anderem mehr Beteiligungsmöglichkeiten für Kinder und Jugendliche. Das Jugendparlament soll dauerhaft gestärkt werden, ein eigenes Budget erhalten und seine Öffentlichkeitsarbeit ausbauen. Zudem sind regelmäßige Kinder- und Jugendbefragungen vorgesehen. Mit Formaten wie „Frag den Bürgermeister“ in Schule und Rathaus sollen junge Menschen unkompliziert ihre Anliegen einbringen können.

Auch der öffentliche Raum soll weiterentwickelt werden. Die Gemeinde setzt sich für eine Öffnung des Schulhofs am Nachmittag ein und prüft zusätzliche Treffpunkte für Jugendliche, unter anderem am Pumptrack, im Wohngebiet Am Mönchhof und im geplanten Jugendzentrum im ehemaligen tegut-Markt. Spielplätze und Wege sollen schrittweise barriereärmer gestaltet werden.

Wie Bürgermeister David Ortmann mitteilt, ist ein weiterer Schwerpunkt die Verkehrssicherheit: „Nach Hinweisen aus Befragungen und Gesprächen sollen unter anderem Bushaltestellen, sichere Querungsmöglichkeiten sowie Bring- und Abholzonen an Schule und Kita verbessert werden. Geprüft wird außerdem die Verlegung einer Bushaltestelle in den Campusbereich.“ Ganz wichtig: „Die Eltern und Kinder werden auf bei den investiven Maßnahmen in den Prozess einbezogen“, so Ortmann.  

Zudem sollen Kinderrechte künftig stärker sichtbar werden. Vorgesehen sind ein Kinderrechte-Lernpfad, ein ausleihbarer „Kinderrechte-Koffer“ in der Bibliothek sowie erweiterte Informationsangebote für Familien mit Neugeborenen. Ergänzend sollen die Gemeinde-App und Aushänge über Rechte und Unterstützungsangebote informieren.

„Auf die Einrichtung einer eigenen Kinder- und Jugendbeauftragtenstelle verzichtet die Gemeinde zunächst“, erklärt Franziska Robes. „Stattdessen setzt sie auf feste Zuständigkeiten innerhalb der Verwaltung und eine enge Zusammenarbeit mit dem Jugendpfleger und dem Kreisjugendring.“ 

Über den Stand der Umsetzung wird jährlich im Gemeinderat und Jugendparlament berichtet. Die Umsetzung des Programms wird zudem nach den Standards des Vereins Kinderfreundliche Kommunen begleitet. Ziel ist es, die Lebensbedingungen von Kindern und Jugendlichen in Bad Tabarz weiter zu verbessern und ihre Mitbestimmung dauerhaft zu stärken.

Foto: Franziska Robes

 

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